Kanuclub Falke Magdeburg e.V.

Kanuslalom, Wildwasserabfahrt, SUP, Wildwasserbreitensport, fun und action



 

Kanuclub „Falke“ Magdeburg e. V. 1920 – 2000 

Wie ein Verein zu seinem Namen kommt

1920 – 1945 

Wer bei Wind und Wetter mit einem wackligen Paddelboot auf der schon 1920 nicht mehr „blauen Elbe“ herumschipperte, musste aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt sein. Nämlich aus Kanutenholz, wohl einer der härtesten Holzarten in der Region um Magdeburg. 

Einige dieser hartgesottenen Zeitgenossen trafen sich in ihrer Freizeit mit selbst gebauten Booten (Holzspanten mit Leinen bespannt) und träumten von regelmäßigeren treffen mit Gleichgesinnten. Was lag also näher, als einen Verein zu gründen! – Sieben  Mann, ein Wort und Gründung im Sommer 1920. Der künftige Vereinsname stand schon lange fest. Eines der Eigenbauboote trug den nicht gerade maritimen Schriftzug „F A L K E“. Als Wappen wurden zwei gekreuzte Boote gewählt.

So schipperte die verschworene Gemeinschaft nach den goldenen 20er Jahren in tausend Jahre Deutsches Reich. 

In der Volksgemeinschaft blieb der Vereinsame erhalten, obwohl die "Gleichschaltung" aller gesellschaftlichen Kräfte auch um diesen kleinen Paddelverein keinen Bogen machte. Schlugen sich auch die Ideen der rechten Diktatur in einer neuen Satzung nieder, so blieb doch der familiäre Charakter der "Falkengemeinschaft" erhalten.

Dass über der Vereinfahne die Hakenkreuzflagge am Fahnenmast flattern konnte, durfte und sollte (?) niemand verhindern. Mit dem Untergang des Großdeutschen Reiches verschwand auch die alles überragende Flagge und mit ihr diegleich geschaltete Satzung. 

 

Schwere Jahre des Neuanfang's 

1945 bis 1980  

Nach dem verlorenen Krieg waren auch für die Mitglieder des KCF schwere Zeiten angebrochen. Magdeburg war zu großen Teilen zerstört. Nach den Amerikanern kamen die Sowjets als Besatzungsmacht. Es gab wichtigere Dinge als das Paddeln. Freizeitgestaltung und Körperertüchtigung wurden zur Nebensächlichkeit. Überlegen in Trümmern war angesagt.

Das Nachkriegsdeutschland teilt sich in zwei Staaten. Die Falken geraten "vom Regen in die Traufe", von einer rechten in eine linke Diktatur. Einige Vereinsmitglieder gaben auf, einige verzogen in den Westen Deutschlands und einige hielten durch.

Um 1960 bestimmt dann eine neue Generation das Handeln im Verein. Käthe Grosche formte aus dem bisherigen Wasserwanderverein zusammen mit anderen jungen Leuten, vor allem Studenten, einen reinen Wildwasserabfahrts- und Kanuslalomverein. Und da jede neue Zeit auch neue Namen braucht, nannte man sich fortan "D Y N A M O - Magdeburg-Süd". Wieder wurde "gleichgeschaltet" und es gab eine neue Satzung. Der Name ergab sich zwangsläufig, da die Polizei als "Trägerbetrieb" (Sponsor)gewonnen  werden konnte. Im Bootshaus war wieder Leben und es wurde schnell aus dem kleinen verträumten Paddelverein ein leistungsorientiertes Trainingszentrum, dessen beste Fahrer von nun an über lange Zeit im Spitzensport der DDR tonangebend waren.

Herausragende Leistungen in dieser Zeit waren der Gewinn der Olympischen Goldmedaille 1972 in Augsburg durch Rolf-Dieter Ahmend, die WM-Bronzemedaille durch Grabowski - Raschke 1973 in Moutatal (SUI), der Gewinn einer Gold- und Silbermedaille durch Roland Hahnebach bei der WM 1961 in Hainsberg.

In der Folgezeit entwickelte sich der Kanuverein, inzwischen unter der Führung von Klaus-Dieter Schick, zu einem der Stärksten in der DDR. Zu Regatten fuhr man inzwischen mit LKW, und die Boote waren nicht mehr aus Leinwand, sondern aus Polyester. Die Weiterentwicklung des Wildwasserkanusports war auch am verwendeten Boots- und Paddelmaterial und an den zielstrebigeren Trainingsmethoden abzulesen. Ende der 70er Jahre dann das AUS (fast).

Kanuslalom verschwand aus dem olympischen Programm und alle Förderungen, auf diese war man inzwischen angewiesen, versiegten. Der Trägerbetrieb zog sich zurück. Es war wieder Zeit für einen neuen Namen. 

Die schweren 80- er

1980 - 1990 

Die Handwerker Magdeburgs wurden in den 80ern die neuen Sponsoren des Kanuvereins. Der neue Name, lautete fortan folgerichtig "SG Handwerk, Abteilung Kanu-Slalom". Der Kanuslalomsport fristete fortan in der DDR ein Schattendasein. Keine nennenswerte Sportförderung durch Stadt und Kommune, und kaum Förderung durch den DTSB. Selbst Boote und Paddel, sowie sonstiges Zubehör wurden nicht mehr in ausreichenden Stückzahlen her- und bereitgestellt. Aber Eigeninitiative und Bastelfreudigkeit waren immer schon Tugenden der Kanuten. Sie ließen sich wieder einmal nicht klein kriegen. Fortan wurden Schwimmwesten, Spritzdecken und Paddel in Bützow im Rahmen der "Konsumgüterproduktion" hergestellt. Namen wie Fritz Hoßmann und sein Dienstleistungsunternehmen in Bützow sind untrennbar mit der Zeit des verwalteten Mangels in der damaligen DDR verbunden. Er versorgte die "Kanuverrückten" mit Schwimmwesten und Paddeln. Helme beschaffte man sich zumeist über Freunde in der Tschechischen Republik. Glücklicher Weise gab es aber noch !einen ! unermüdlichen Slalomenthusiasten beim DKSV. Ulrich Opelt besorgte etwa 1981 100 Helme für die Vereine der gesamten DDR, die dem Kanuslalomsport treu geblieben waren.  Boote gab es in geringen Stückzahlen noch über den "Bootsbau Hartung". Es gab nichts, aber alle hatten alles (vor allem Ideen und Enthusiasmus).

Außerhalb der sozialistischen Staatengemeinschaft nahm keine offizielle Nationalmannschaft mehr an internationalen Ausscheiden teil. Der Anschluss an die Leistungen der Weltelite ging langsam verloren.

Nach der Schließung der beiden Stützpunkte für Kanuslalom der DDR (DHFK und ASK in Leipzig) mussten sich nicht nur die Trainer ein neues Betätigungsfeld suchen, sondern auch die meisten Slalomkanuten wurden von heute auf morgen ohne reale sportliche Perspektive vor die Tür gesetzt. Ein Trauma das, in denen die es betroffen hat, oftmals bis heute nachwirkt und sie stark für die kritisch Beurteilung "sportpolitischer Entscheidungen" sensibilisiert hat. Die Betroffenen wechselten im Idealfall in eine andere Leistungssportart über, oder meldeten sich zum Abtrainieren in ihren ehemaligen Heimatvereinen zurück. So kamen also einige ehemalige Spitzensportler (z.B. Andreas und Cristine Zellmer)zurück nach Magdeburg, auch um ihr Wissen und Können dem Vereinsnachwuchs zur Verfügung zu stellen.

Jetzt wurde begonnen, aus einem reinen Trainingszentrum für Leistungssport einen Kanuverein zu schaffen, der auch Breitensportlern die Möglichkeit zur sportlichen Betätigung zu gibt, ohne den leistungssportlichen Gedanken völlig aus dem Auge zu verlieren. Diesem Ziel verschrieb sich der jetzige Vereinsvorstand (Günther (Lackel) Becker, Siegfried (Siggi) Weinhold, Hans- Henning (Fietje) Nagel, Heinz- Otto (Heino) Klinder und Manfred Gallrein (Galli)). 

 

1990 bis heute  

Die tiefgreifenden, politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland, heute Wende oder gar "friedliche Revolution" genannt, gingen selbstverständlich auch an unserem Verein nicht spurlos vorbei. Reisefreiheit, neue Freizeitgestaltungsmöglichkeiten, berufliche und zum Teil auch private Neuorientierungen und alsbald auch Arbeitslosigkeit veränderten auch Zukunftspläne und Träume vieler Vereinsmitglieder. Die einen hatten plötzlich zu viel- die anderen zu wenig Freizeit. Und nicht allen gelang es Familie, Arbeit, Freizeit und Kanusport auf einen Nenner zu bringen. Außerdem fiel auch derb letzte Sonsor "HANDWERK" noch aus. Der Verein fand sich in einer demokratischen Gesellschaft mit all ihren Stärken und Schwächen, und mit einer Unmenge an Bürokratie und Besitzstandsdenken wieder.

Außerdem musste wieder eine neue Satzung erarbeitet werden. Eine Satzung frei von Zwängen der Gleichschaltung in Diktaturen und frei vom alten "Wilhelminischen Muff".

Endlich Sport treiben nur weil er Spaß macht. Endlich eine Gemeinschaft sein, weil man zusammen die Freizeit verbringen will. Endlich Leistung für den eigenen Verein, für die Heimatstadt erbringen und ernten was man säht.

Das waren damals die Träume. Die Realität ist bekanntermaßen meist viel komplizierter. 

Was lag näher als den Gründernamen wieder aufzugreifen? Nach kurzer Beratung des Vorstandes einigte man sich auf den Namen "KANUCLUB FALKE MAGDEBURG e.V.“  

Neuer Name, neue Ziele? - Ja und nein. Hauptinhalt der Vereinsarbeit sollte fortan die Förderung des Kanuslalomsports mit einem Hauptaugenmerk auf den Breitensport sein. Der Leistungssport also künftig lediglich gleichberechtigt mit dem Breitensport. Ziel war auch die Schaffung einer möglichst breiten Basis in einer Sportstätte, die speziell für junge Menschen anziehend wirken soll und auch mit familiengerechten Angeboten attraktive Freizeitgestaltung anbietet. Mit viel Elan wurden die Aufgaben angegangen. Und der Erfolg kann sich sehen lassen. Von den nunmehr 64 Vereinsmitgliedern sind ca. 2/3 Kinder und Jugendliche. Die Angebote des Breitensports gehen von Wildwasserwanderveranstaltungen über unsere jährliche Radtour (die Tour de Falk), bis hin zu geselligen Grillabenden, zünftigen Silvesterfeiern uvm.

Die Leistungsabteilung ist ebenfalls sehr erfolgreich. Namen wie Nico Bettge  (Juniorenweltmeister 1998; 2-facher Vizeweltmeister; Weltmeister 2006, Bronzemedaille EM 2016) und Martin Kronsbein (Deutscher Meister 1997, Juniorenweltcup-Dritter 1999) haben im deutschen Kanusport einen guten Klang. Und im Nachwuchsbereich sind mit Daniel Hartig (Deutscher Meister 1991), Gina Kaluza ( Europameisterschaftsdritte 2004), Richard Fiedler (Deutscher Meister 2006), Florian Bethke, Simon Schwanholt (Deutscher Meister 2004), Ivo Schmidt (Deutscher Meister 2004), Ann- Kathrin Schwanholt (Juniorenvizeweltmeisterin 2013) weitere Nachwuchssportler auf dem besten Weg die Magdeburger Kanuslalomtraditionen fortzuführen. 

Nachdem 1999 das Vereinshaus des KCF an der Alten Elbe durch das Sport- und Bäderamt und das Hochbauamt der Stadt Magdeburg mit Hilfe von EU-Fördermitteln (Förderprojekt Urban) saniert wurde, haben pünktlich zur Jahrtausendwende die Kanuten des Kanuclubs "Falke" eine moderne und schöne Heimstatt erhalten. 

Das 1922 erbaute Vereinshaus wurde vollständig rekonstruiert und durch Umbauten den Erfordernissen einer modernen Wassersportstätte unter Baibehaltung der architektonischen Grundkonzeption angepasst und ist nun ein Blickfang für die vielen Fußgänger auf dem Elbdamm der Alten Elbe. 

Ein roter Kunststoffplatz mit einem Basketball- und einem Volleyballfeld, umrahmt von Grasflächen dient der Ausbildung der athletischen Grundlagen und dem Abbau des Bewegungsdrangs, besonders unserer Kinder und Jugendlichen. Am Ufer der Alten Elbe besitzt der Kanuclub Falke eine der modernsten Ruhigwassertorstrecken Deutschlands. 

Nachdem der Cracauer Wasserfall, besonders dem Abtragen des Domfelsens, nur noch eine untergeordnete Funktion als wasserregulierendes Bauwerk für die Schifffahrt auf der Stromelbe hat, hofft der Verein in nächster Zukunft auf eine intensivere sportliche Nutzung durch Wildwasserkanuten der Region um Magdeburg.